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Big stories, wee drams!

Weniger Inhalt, mehr Vielfalt: Braucht Whisky kleinere Flaschen?

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Warum kleinere Flaschengrößen dem Whisky guttun könnten

Wer sich intensiver mit Whisky beschäftigt, kennt vermutlich dieses Phänomen: Am Anfang stehen vielleicht zwei oder drei Flaschen im Regal. Dann kommen Empfehlungen hinzu, man entdeckt neue Brennereien, probiert unterschiedliche Regionen, Fassarten und Länder – und plötzlich ist aus der kleinen Auswahl eine beachtliche Sammlung geworden.

Das ist zunächst einmal etwas Schönes. Schließlich lebt die Beschäftigung mit Whisky von seiner beinahe unerschöpflichen Vielfalt. Doch irgendwann stellt sich eine ganz praktische Frage: Wann soll man all diese Flaschen eigentlich trinken?

Die klassische Whiskyflasche enthält 700 Milliliter. Bei einem Dram von zwei Zentilitern sind das 35 Gläser. Selbst bei einer etwas großzügigeren Portion von drei Zentilitern bleiben noch mehr als 23 Drams. Das ist eine ganze Menge – insbesondere dann, wenn man nicht immer denselben Whisky trinken, sondern möglichst viele verschiedene Abfüllungen entdecken möchte.

Und genau deshalb sollten wir meines Erachtens häufiger über kleinere Flaschengrößen sprechen.

700 Milliliter können ziemlich viel sein

Bei einem absoluten Lieblingswhisky ist eine klassische 0,7-Liter-Flasche natürlich wunderbar. Man weiß, was man bekommt, freut sich auf jedes Glas und ist womöglich sogar ein wenig enttäuscht, wenn sich der Füllstand langsam dem Flaschenboden nähert.

Aber längst nicht jeder Whisky wird automatisch zum persönlichen Favoriten.

Vielleicht hat man spontan zugegriffen, weil das Etikett interessant aussah. Vielleicht klang die Beschreibung besonders vielversprechend oder die Abfüllung wurde von anderen Whiskyfreunden begeistert empfohlen. Manchmal hat man sich vorher nicht ausreichend informiert oder schlicht keine Gelegenheit gehabt, ein Sample zu probieren.

Dann öffnet man die Flasche voller Vorfreude – und stellt nach den ersten Drams fest: Der Whisky ist durchaus in Ordnung, trifft den eigenen Geschmack aber nicht vollständig.

Das ist kein Drama. Geschmäcker sind verschieden, und gerade Whisky kann sich mit der Zeit und mit etwas Luft in der Flasche noch verändern. Trotzdem bleiben im ungünstigsten Fall mehr als 600 Milliliter eines Whiskys übrig, zu dem man nur selten greift. Die Flasche wandert immer weiter nach hinten ins Regal, während vorne längst die nächsten Entdeckungen stehen.

Eine kleinere Flasche würde dieses Problem zumindest deutlich reduzieren.

Zwischen Sample und Großflasche fehlt etwas

Samples sind eine großartige Möglichkeit, Whisky kennenzulernen. Fünf Zentiliter reichen für ein oder zwei bewusste Verkostungen. Man kann sich einen ersten Eindruck verschaffen und anschließend entscheiden, ob sich der Kauf einer ganzen Flasche lohnt.

Doch auch das Sample hat Grenzen.

Manche Whiskys erschließen sich nicht beim ersten Dram. Tagesform, Stimmung, Essen, Umgebung und sogar das verwendete Glas können die Wahrnehmung beeinflussen. Ein Whisky, der beim ersten Probieren unscheinbar wirkt, kann beim zweiten oder dritten Glas plötzlich eine ganz andere Seite zeigen.

Bei fünf Zentilitern ist die Reise jedoch schnell beendet.

Natürlich gibt es bereits kleinere Abfüllungen. Vereinzelt findet man Flaschen mit 200 Millilitern oder andere Sonderformate. Diese sind aber häufig nicht besonders präsent und oftmals nur bei einzelnen Fachhändlern erhältlich. Wer nicht gezielt danach sucht oder sich bereits intensiver in der Whiskywelt bewegt, bekommt von diesen Möglichkeiten kaum etwas mit.

Genau darin liegt das Problem: Es reicht nicht, dass kleinere Flaschen irgendwo existieren. Sie müssten für die breite Masse sichtbar, selbstverständlich und leicht erhältlich werden.

Zwischen dem kleinen Sample und der klassischen 700-Milliliter-Flasche klafft weiterhin eine große Lücke. Flaschen mit etwa 330 oder 350 Millilitern könnten diese Lücke besonders sinnvoll schließen.

330 oder 350 Milliliter als ideale Größe

Meines Erachtens liegt die passende Größe für viele Whiskyabfüllungen bei ungefähr 330 bis 350 Millilitern.

Das ist deutlich mehr als ein Sample. Man kann den Whisky an mehreren Abenden probieren, ihn mit anderen Abfüllungen vergleichen, Gästen anbieten oder gemeinsam mit Freunden verkosten. Nach ein oder zwei Drams ist die Flasche noch lange nicht leer.

Gleichzeitig ist die Menge überschaubar. Sollte der Whisky den persönlichen Geschmack doch nicht vollständig treffen, steht nicht jahrelang eine beinahe volle 0,7-Liter-Flasche im Regal.

Eine Flasche mit 350 Millilitern enthält bei einem Dram von zwei Zentilitern immerhin rund 17 Gläser. Das ist ausreichend, um einen Whisky wirklich kennenzulernen. Man kann beobachten, wie er sich nach dem Öffnen entwickelt, und ihn in unterschiedlichen Situationen genießen.

Anders als ein sehr kleines Format wirkt eine solche Flasche zudem weiterhin wie eine vollwertige Abfüllung – nur eben in einer vernünftigeren Menge.

Talisker zeigt einen interessanten Weg

Ein interessantes Beispiel liefert Talisker. Sowohl der Talisker 10 als auch der Talisker Skye werden auch im 0,5-Liter-Format angeboten.

Ich halte das für einen sinnvollen Ansatz.

500 Milliliter sind noch immer eine vollwertige Flasche. Niemand muss befürchten, dass sie nach einem gemütlichen Abend bereits geleert ist. Gleichzeitig liegt die enthaltene Menge spürbar unter der üblichen 0,7-Liter-Abfüllung.

Gerade bei bekannten Standardabfüllungen kann diese Größe den Einstieg erleichtern. Wer Talisker kennenlernen möchte, muss nicht sofort zur großen Flasche greifen. Und wer bereits mehrere geöffnete Whiskys zu Hause hat, kann seine Auswahl erweitern, ohne sich gleich weitere 700 Milliliter ins Regal zu stellen.

Noch konsequenter und für besonders viele Abfüllungen geeignet fände ich allerdings Größen von 330 oder 350 Millilitern. Sie würden den Preis stärker reduzieren und gleichzeitig genügend Inhalt bieten, um den Whisky nicht nur oberflächlich, sondern wirklich über einen längeren Zeitraum kennenzulernen.

Meine ideale Größe steht bereits im Regal

Ich selbst habe noch eine Flasche Aberlour 100 Proof zu Hause, die Ende der 1990er-Jahre abgefüllt wurde. Sie enthält 33,33 Zentiliter – also ziemlich genau ein Drittel Liter.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir diese Größe.

Die Flasche ist deutlich mehr als ein Sample. Man kann den Whisky an mehreren Abenden trinken, ihn mit anderen Abfüllungen vergleichen oder ihn gemeinsam mit Freunden probieren. Nach ein oder zwei Drams ist noch längst nicht Schluss.

Gleichzeitig ist die Menge überschaubar. Sollte der Whisky den persönlichen Geschmack doch nicht vollständig treffen, steht nicht jahrelang eine fast volle große Flasche im Regal.

Rund 330 oder 350 Milliliter könnten deshalb für viele Abfüllungen die ideale Größe sein: genug Whisky, um ihn wirklich kennenzulernen, aber nicht so viel, dass jeder Kauf zu einer langfristigen Verpflichtung wird.

Teurere Whiskys würden zugänglicher

Besonders interessant wären kleinere Flaschen bei höherpreisigen Abfüllungen.

Natürlich verursacht eine Flasche unabhängig von ihrem Inhalt Kosten. Glas, Verschluss, Etikett, Verpackung, Logistik und Abfüllung fallen auch bei einem kleineren Format an. Deshalb wird eine 350-Milliliter-Flasche pro Liter vermutlich teurer sein als die klassische 700-Milliliter-Ausgabe.

Entscheidend ist aber der Gesamtpreis.

Ein Whisky, der in der regulären Flasche 120 oder 150 Euro kostet, liegt für viele Menschen außerhalb dessen, was sie spontan für eine unbekannte Abfüllung ausgeben möchten. Eine kleinere Flasche könnte den tatsächlichen Kaufpreis deutlich senken und damit die Hemmschwelle reduzieren.

So könnten auch Menschen, die nicht mehrere Hundert Euro im Monat für Whisky ausgeben möchten, besondere Abfüllungen kennenlernen. Das würde Whisky zugänglicher machen, ohne ihn beliebiger zu machen.

Mehr Auswahl statt immer größerer Sammlungen

Kleinere Flaschen könnten auch unseren Umgang mit Whisky verändern.

Viele Whiskyfreunde möchten nicht zwangsläufig möglichst viel trinken. Sie möchten vielmehr möglichst viel entdecken. Es geht um unterschiedliche Brennereien, Fassreifungen, Altersstufen, Regionen und Herkunftsländer. Eine große Auswahl bedeutet bei den heutigen Standardgrößen jedoch zwangsläufig viele angebrochene Flaschen.

Mit Formaten von 330 oder 350 Millilitern ließe sich Vielfalt erleben, ohne dass die heimische Sammlung immer weiter anwächst. Für den Preis von zwei oder drei großen Flaschen könnte man möglicherweise mehrere kleinere Abfüllungen ausprobieren.

Das wäre auch für gemeinsame Tastings interessant. Eine Flasche mit einem Drittel Liter reicht problemlos, um einen Whisky mit mehreren Menschen zu teilen. Gleichzeitig bleiben die Kosten pro Teilnehmer überschaubar.

Dabei muss die Preisgestaltung selbstverständlich nachvollziehbar bleiben. Eine halb so große Flasche sollte nicht annähernd so viel kosten wie die reguläre Abfüllung. Kleinere Formate dürfen pro Liter etwas teurer sein, der niedrigere Gesamtpreis muss aber weiterhin einen erkennbaren Vorteil bieten.

Ein Gewinn für Einsteiger und erfahrene Genießer

Kleinere Flaschen sind keineswegs nur etwas für Anfänger.

Einsteiger könnten mit geringerem finanziellen Risiko verschiedene Whiskyarten kennenlernen. Statt sich nach einer einzigen Empfehlung sofort auf 700 Milliliter festzulegen, könnten sie ihre eigenen Vorlieben Schritt für Schritt entdecken.

Erfahrene Whiskyfreunde wiederum könnten besondere Abfüllungen probieren, ohne ihre ohnehin umfangreiche Sammlung um eine weitere große Flasche zu erweitern. Gerade in einer Zeit, in der viele Neuerscheinungen deutlich teurer geworden sind, wäre das eine attraktive Möglichkeit.

Auch Brennereien und unabhängige Abfüller könnten profitieren. Ein niedrigerer Einstiegspreis senkt die Hemmschwelle, einer unbekannten Marke oder einer ungewöhnlichen Fassreifung eine Chance zu geben. Wer von der kleineren Flasche überzeugt ist, wird später vielleicht weitere Abfüllungen der Brennerei kaufen.

Kleinere Flaschen bedeuten daher nicht zwangsläufig weniger Umsatz. Sie könnten vielmehr dazu führen, dass mehr Menschen einen Whisky überhaupt erst ausprobieren.

Kleine Flaschen müssen sichtbar werden

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass kleinere Formate nicht nur als gelegentliche Sonderlösung oder verstecktes Fachhandelsprodukt angeboten werden.

Es gibt sie bereits: kleine Flaschen, Sondergrößen und Probierformate. Häufig begegnet man ihnen aber nur bei spezialisierten Händlern, in Geschenksets oder bei einzelnen Aktionen. Im normalen Handel und in der allgemeinen Wahrnehmung spielen sie kaum eine Rolle.

Damit sich wirklich etwas verändert, müssten 330- oder 350-Milliliter-Flaschen zu einer regulären und sichtbaren Alternative werden. Sie sollten neben der großen Flasche im Regal stehen und nicht erst nach langer Suche in einem spezialisierten Onlineshop gefunden werden.

Es geht nicht nur darum, theoretisch eine kleinere Größe kaufen zu können. Es geht darum, sie als normale Wahlmöglichkeit zu etablieren.

Weniger Inhalt kann mehr Whisky bedeuten

Die 0,7-Liter-Flasche wird sicherlich weiterhin ihre Berechtigung haben. Für Lieblingswhiskys, häufig getrunkene Abfüllungen und gesellige Runden ist sie nach wie vor eine gute Größe.

Aber sie muss nicht die einzige ernsthafte Option sein.

Mehr Flaschen mit 330 oder 350 Millilitern könnten Whisky zugänglicher, abwechslungsreicher und in vielen Fällen auch bezahlbarer machen. Sie würden die große Lücke zwischen dem kleinen Sample und der klassischen Flasche schließen.

Am Ende geht es schließlich nicht darum, möglichst viele Liter Whisky zu besitzen. Es geht darum, unterschiedliche Whiskys kennenzulernen, persönliche Vorlieben zu entwickeln und besondere Abfüllungen bewusst zu genießen.

Manchmal kann eine kleinere Flasche deshalb die größere Möglichkeit sein.


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