Whiskywissen · Tasting Notes · Geschichten

Big stories, wee drams!

Was ist eigentlich ein Dram?

·

Der Begriff begegnet einem in der Whiskywelt ständig: Man schenkt sich einen Dram ein, trifft sich auf einen gemeinsamen Dram oder spricht von einem besonders gelungenen Dram am Abend. Und schließlich steckt er auch im Namen Big Dram Notes.

Aber was genau ist eigentlich ein Dram? Sind das zwei Zentiliter, vier Zentiliter oder vielleicht nur ein kleiner Probeschluck? Handelt es sich um eine festgelegte Maßeinheit oder einfach um ein anderes Wort für Whisky?

Die Antwort hängt ein wenig davon ab, ob wir über den heutigen Sprachgebrauch oder über historische Maßeinheiten sprechen.

In der heutigen Whiskywelt bezeichnet ein Dram meist eine kleine Portion Whisky. Eine überall verbindliche Menge gibt es dafür nicht. Historisch existierten allerdings durchaus genau definierte Einheiten, die ebenfalls Dram genannt wurden.

Ein Dram ist heute keine feste Maßeinheit

Wer in einer Bar, bei einem Tasting oder in Schottland einen Dram bestellt, erhält nicht automatisch überall exakt dieselbe Menge. Im heutigen Sprachgebrauch meint das Wort vor allem einen Schluck oder ein Glas Whisky.

Häufig liegt ein Dram ungefähr zwischen 25 und 35 Millilitern, also etwa bei zweieinhalb bis dreieinhalb Zentilitern. Je nach Ausschank, Land und Anlass kann die Menge jedoch kleiner oder größer ausfallen.

Ein kleiner „wee dram“ kann ungefähr 25 Milliliter umfassen. Ein großzügiger eingeschenkter Dram kann dagegen 35 bis 50 Milliliter enthalten. Bei einem Whisky-Tasting werden häufig nur zwei Zentiliter ausgeschenkt, damit mehrere Whiskys aufmerksam miteinander verglichen werden können.

Der Dram ist heute deshalb weniger eine exakte Mengenangabe als eine kulturelle und sprachliche Bezeichnung für eine überschaubare Portion Whisky.

Wie groß ist ein Dram in der Praxis?

Eine grobe Orientierung kann so aussehen:

Kleiner Dram oder „wee dram“: ungefähr 25 Milliliter
Üblicher Dram: häufig etwa 25 bis 35 Milliliter
Großzügiger Dram: ungefähr 35 bis 50 Milliliter
Tasting-Portion: oftmals etwa 20 Milliliter

Diese Mengen sind keine verbindlichen Regeln. Entscheidend ist der jeweilige Zusammenhang.

Wer an einem Abend sechs Whiskys probieren möchte, wird kleinere Mengen einschenken als jemand, der sich zu Hause nur mit einer einzigen Flasche beschäftigt. Auch private Gastgeber, Bars, Brennereien und Whiskyveranstaltungen können unter einem Dram jeweils etwas anderes verstehen.

Woher stammt das Wort?

Der Begriff „Dram“ hat eine lange Geschichte. Seine sprachlichen Wurzeln reichen bis zum altgriechischen Wort „drachmē“ zurück. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit verschiedene Gewichts- und Maßeinheiten.

Über diese historischen Einheiten gelangte das Wort schließlich in den englischen und schottischen Sprachgebrauch. Dort wurde es zunehmend auch für eine kleine Menge einer Flüssigkeit oder Spirituose verwendet.

Der Dram war also ursprünglich nicht ausschließlich mit Whisky verbunden. Auch andere Spirituosen oder kleine Flüssigkeitsmengen konnten so bezeichnet werden. Heute ist der Begriff jedoch so eng mit der schottischen Whiskykultur verbunden, dass bei einem Dram fast immer Whisky gemeint ist.

Der Dram als historische Maßeinheit

Auch wenn ein Dram heute meistens keine exakt festgelegte Menge bezeichnet, gab es historisch durchaus genau definierte Einheiten.

Der sogenannte Fluid Dram war eine Flüssigkeitsmaßeinheit. Dabei unterschied sich die genaue Menge zwischen dem britischen und dem amerikanischen Maßsystem:

Ein britischer Fluid Dram entsprach ungefähr 3,55 Millilitern.
Ein amerikanischer Fluid Dram entspricht ungefähr 3,70 Millilitern.

Ein Fluid Dram war jeweils ein Achtel einer Flüssigunze. Diese historische Einheit ist also erheblich kleiner als das, was wir heute üblicherweise als einen Dram Whisky bezeichnen.

Daneben gab es in Großbritannien früher auch Ausschankmengen von ungefähr 20 Millilitern, was etwa einem Sechstel eines Gills entsprach. Solche historischen Maße erklären, warum bei der Frage nach der „richtigen“ Größe eines Drams unterschiedliche Angaben auftauchen können.

Der Begriff wurde im Laufe der Zeit von einer konkreten Maßeinheit zu einer eher ungefähren Bezeichnung für eine kleine Portion.

Was bedeutet „wee dram“?

Besonders in Schottland begegnet man häufig dem Ausdruck „wee dram“.

„Wee“ bedeutet zunächst einfach „klein“. Ein wee dram ist also wörtlich ein kleiner Dram. In der Praxis beschreibt der Ausdruck jedoch nicht nur die Menge im Glas. Er vermittelt auch etwas von der schottischen Gastfreundschaft und der sozialen Bedeutung des Whiskys.

Wer einen wee dram angeboten bekommt, erhält nicht nur eine Spirituose. Häufig ist es eine Einladung, einen Moment miteinander zu verbringen, ins Gespräch zu kommen oder gemeinsam auf einen Anlass anzustoßen.

Wie klein der angebotene Dram tatsächlich ausfällt, hängt dabei durchaus von der Großzügigkeit des Gastgebers ab.

Ist jeder Whisky im Glas ein Dram?

Im alltäglichen Sprachgebrauch kann nahezu jede überschaubare Portion Whisky als Dram bezeichnet werden.

Streng genommen ist der Dram aber nicht die Flasche und auch nicht die Whiskysorte selbst. Man kauft eine Flasche Whisky und schenkt sich daraus einen Dram ein.

Das Wort beschreibt somit den Whisky im Glas – und häufig zugleich die Situation, in der er getrunken wird.

Ein randvoll gefüllter Tumbler wäre zwar ebenfalls Whisky, entspräche aber weniger dem Bild, das viele mit einem Dram verbinden. Ein Dram ist normalerweise eine Menge, die bewusst eingeschenkt und in Ruhe genossen wird.

Ein Dram ist mehr als nur eine Mengenangabe

Für mich beschreibt ein Dram nicht allein den Inhalt eines Glases. Das Wort steht auch für den Moment, in dem man sich mit einem Whisky beschäftigt.

Das kann der ruhige Dram am Ende eines langen Tages sein. Es kann der erste Schluck aus einer gerade geöffneten Flasche sein. Vielleicht erinnert der Whisky an eine Reise, eine Brennereibesichtigung oder an Menschen, mit denen man ihn zum ersten Mal probiert hat.

Manchmal wird aus einem Dram auch ein Gespräch. Man vergleicht Eindrücke, tauscht Erinnerungen aus und stellt fest, dass derselbe Whisky bei jedem etwas anderes auslösen kann.

Der eine entdeckt getrocknete Früchte, der nächste dunkle Schokolade und jemand anderes denkt an ein Lagerfeuer, altes Holz oder einen bestimmten Urlaub. Keine dieser Wahrnehmungen muss falsch sein.

Ein Dram ist keine Prüfungsaufgabe, bei der nur eine einzige Antwort zählt.

Wie viel Whisky sollte man einschenken?

Die passende Menge hängt davon ab, was man mit dem Whisky vorhat.

Bei einem ausführlichen Tasting mit mehreren Abfüllungen können 20 bis 25 Milliliter vollkommen ausreichen. Das ist genug, um den Whisky zu riechen, zu probieren und bei Bedarf einige Tropfen Wasser hinzuzugeben.

Wer nur einen einzelnen Whisky genießen möchte, kann sich auch 30 oder 40 Milliliter einschenken. Eine verbindliche Regel gibt es nicht.

Wichtiger als die genaue Menge ist, dass genügend Platz im Glas bleibt. Gerade in einem tulpenförmigen Nosing- oder Tastingglas benötigen die Aromen Raum, um sich zu sammeln und wahrgenommen zu werden.

Ein bis zum Rand gefülltes Glas wirkt vielleicht großzügig, erschwert aber das Riechen und vorsichtige Schwenken.

Ein Dram darf Zeit bekommen

Ein guter Dram muss nicht schnell ausgetrunken werden.

Viele Whiskys verändern sich bereits nach einigen Minuten im Glas. Die erste alkoholische Schärfe kann zurücktreten, Fruchtnoten werden deutlicher oder Aromen treten hervor, die beim ersten Riechen noch verborgen waren.

Gerade bei komplexeren oder höherprozentigen Whiskys lohnt es sich deshalb, den Dram etwas stehen und wirken zu lassen.

Die Menge muss dafür gar nicht besonders groß sein. Auch ein kleiner Dram kann über längere Zeit immer wieder neue Eindrücke liefern.

Gehört Wasser in einen Dram?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Einige Whiskys funktionieren am besten pur. Andere öffnen sich mit wenigen Tropfen Wasser und zeigen plötzlich zusätzliche Aromen. Besonders bei Fassstärken oder allgemein höheren Alkoholstärken kann Wasser dabei helfen, einzelne Eindrücke klarer wahrzunehmen.

Sinnvoll ist es, den Whisky zunächst pur zu probieren. Anschließend kann man vorsichtig etwas stilles Wasser hinzugeben und beobachten, wie sich der Dram verändert.

Dabei sollte man zunächst sparsam vorgehen. Einige Tropfen lassen sich jederzeit ergänzen. Zu viel Wasser lässt sich dagegen nicht wieder aus dem Glas entfernen.

Erlaubt ist letztlich, was den eigenen Genuss verbessert.

Was ein Dram nicht sein muss

Ein Dram muss nicht teuer sein. Er muss nicht selten sein und auch nicht aus einer besonders alten Flasche stammen.

Natürlich kann ein außergewöhnlicher Whisky einen besonderen Dram ergeben. Aber ebenso kann ein unkomplizierter Standardwhisky genau im richtigen Moment große Freude bereiten.

Preis, Alter und Sammlerwert sagen nicht automatisch voraus, wie gut ein Whisky schmeckt oder wie viel er einem persönlich bedeutet.

Ein Dram muss außerdem nicht mit einer Punktzahl abgeschlossen werden. Man kann einen Whisky interessant finden, ohne ihn auf einer Skala einzuordnen. Man darf einzelne Aromen mögen und andere weniger. Und man darf seine Meinung bei einem späteren Dram ändern.

Tagesform, Umgebung, Essen, Erwartungen und Gesellschaft können den Eindruck beeinflussen. Selbst eine bekannte Flasche kann an einem anderen Abend plötzlich etwas anders wirken.

Warum heißt diese Seite Big Dram Notes?

Der Name Big Dram Notes spielt bewusst mit zwei Gedanken.

Der Dram steht für den Whisky im Glas und für den Moment, in dem man ihm Aufmerksamkeit schenkt. Die Notes sind die Gedanken, Eindrücke und Geschichten, die daraus entstehen.

Das „Big“ bedeutet dabei nicht, dass jeder Dram möglichst groß eingeschenkt werden muss. Es geht vielmehr um alles, was hinter diesem kleinen Schluck stehen kann: die Brennerei, die Herstellung, das Fass, die Menschen, eine Reise oder eine persönliche Erinnerung.

Ein Dram kann mengenmäßig klein sein und trotzdem eine große Geschichte erzählen.

Mein Fazit

Ein Dram ist in der heutigen Whiskywelt keine einheitlich festgelegte Maßeinheit. Meistens ist damit eine kleine Portion Whisky gemeint, häufig ungefähr 25 bis 35 Milliliter. Ein wee dram kann etwas kleiner, ein großzügiger Dram auch deutlich größer ausfallen.

Historisch gab es allerdings exakt definierte Einheiten wie den britischen oder amerikanischen Fluid Dram. Diese umfassten nur rund 3,55 beziehungsweise 3,70 Milliliter und sind nicht mit der heutigen üblichen Whiskyportion gleichzusetzen.

Doch unabhängig von allen Milliliterangaben beschreibt ein Dram noch etwas anderes: eine Einladung, einen gemeinsamen Moment, eine Erinnerung oder den Ausgangspunkt für eine neue Geschichte.

Am Ende kommt es nicht darauf an, ob genau zwei, drei oder vier Zentiliter im Glas sind. Entscheidend ist, was wir darin entdecken.

Und manchmal beginnt eine große Whiskygeschichte tatsächlich mit einem ziemlich kleinen Dram.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert