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Big stories, wee drams!

Dram Way – eigenständig abgefüllte Whiskys aus Norddeutschland

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Unabhängige Abfüller sind für mich einer der spannendsten Bereiche der Whiskywelt. Sie müssen nicht dauerhaft einen bestimmten Hausstil bedienen und auch nicht jedes Jahr dieselbe Standardabfüllung reproduzieren. Im besten Fall können sie genau den Whisky auswählen, den sie selbst interessant finden – unabhängig davon, ob dahinter ein großer Brennereiname steht oder ob sich die Fassreifung besonders leicht erklären lässt.

Noch interessanter wird es natürlich, wenn ein solcher Abfüller nicht irgendwo weit entfernt sitzt, sondern praktisch aus der eigenen Region kommt. Dram Way stammt der Wilstermarsch und damit aus dem Hamburger Umland. Hinter Dram Way steht Malte Schweia, der das Projekt sehr sichtbar mit seinem eigenen Geschmack, seinen Ideen und seiner persönlichen Art verbindet, Whisky zu betrachten.

Das gefällt mir grundsätzlich. Denn gerade bei kleinen unabhängigen Abfüllern möchte ich nicht nur technische Daten und eine anonyme Flasche sehen. Mich interessiert auch, warum jemand ausgerechnet dieses Fass ausgewählt hat, weshalb ein bestimmtes Finish ausprobiert wurde und welche Idee hinter einer Abfüllung steckt.

Nicht jede Flasche muss allen gefallen

Dram Way verfolgt dabei aus meiner Sicht einen Ansatz, der gut zu unabhängigen Abfüllern passt: Die Whiskys sollen nicht möglichst austauschbar oder allgemein gefällig sein. Stattdessen dürfen sie eigenständig sein, dürfen ungewöhnliche Fässer zeigen und manchmal auch etwas riskieren.

Das bedeutet natürlich automatisch, dass nicht jede Abfüllung für jeden Whiskytrinker passen wird. Aber genau das empfinde ich eher als Stärke denn als Schwäche. Eine kleine Abfüllung darf Ecken und Kanten haben. Sie darf Diskussionen auslösen und sie darf auch einmal ein Fass verwenden, bei dem man im ersten Moment nicht sicher ist, ob es eine großartige Idee oder ein ziemlich gewagtes Experiment ist.

Bei Dram Way beginnt diese Eigenständigkeit bereits bei den Flaschen. Die Illustrationen und die verschiedenen Editionen wirken nicht wie ein nachträglich aufgesetztes Etikettendesign. Man erkennt, dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie Whisky, Name und Gestaltung zusammenwirken können.

Das Auge trinkt zwar nicht mit – jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne. Trotzdem gehört eine schöne und individuell gestaltete Flasche für mich zum Gesamterlebnis dazu. Vor allem dann, wenn die Gestaltung nicht nur teuer oder luxuriös wirken soll, sondern tatsächlich etwas über die jeweilige Abfüllung erzählt.

Mein erster Eindruck: ungewöhnlich, aber nicht beliebig

Bei Dram Way stehen inzwischen zwei Flaschen bei mir, die kaum besser zeigen könnten, was mich an unabhängigen Abfüllern interessiert: das Franzbrötchen Cask Finish und die Messeabfüllung der Just Whisky Hamburg 2025 aus einem Mavrodaphne-Fass.

Beide Abfüllungen haben mir gut geschmeckt. Gleichzeitig sind sie sehr unterschiedlich und jeweils auf ihre eigene Art ungewöhnlich.

Natürlich bilde ich mir aus zwei Flaschen noch kein abschließendes Urteil über das gesamte Sortiment eines Abfüllers. Dazu ist die Bandbreite bei Dram Way zu groß. Die beiden Whiskys haben bei mir aber einen ausgesprochen positiven Eindruck hinterlassen – und vor allem die Neugier darauf geweckt, welche Fässer und Kombinationen künftig noch erscheinen.

Das Franzbrötchenfass: mehr als ein lustiger Name

Beim Begriff „Franzbrötchen Cask“ könnte man zunächst vermuten, dass vor allem ein einprägsamer Name gesucht wurde. Franzbrötchen stehen wie kaum ein anderes Gebäck für Hamburg und Norddeutschland. Für einen Abfüller aus dem Hamburger Umland ist das natürlich eine naheliegende und sympathische Idee.

Ein guter Name reicht bei Whisky allerdings nicht. Spätestens beim ersten Schluck muss die Abfüllung zeigen, ob hinter der Geschichte auch ein überzeugender Whisky steckt.

Beim Franzbrötchen Cask Finish trifft ein kräftig rauchiger Single Malt auf ein Fass, das Zimt, Gebäck und würzige Süße beisteuern soll. Das klingt zunächst nach einer ziemlich wilden Kombination. Rauch und Franzbrötchen sind schließlich nicht unbedingt das offensichtlichste Aromenduo.

Für mich funktioniert die Idee aber. Der Whisky wirkt nicht wie ein alkoholisches Zimtgebäck und auch nicht wie ein reiner Marketinggag. Der Rauch bleibt ein wesentlicher Bestandteil der Abfüllung, während das Fass eine zusätzliche süß-würzige Richtung hineinbringt.

Gerade diese Verbindung trifft meinen Geschmack ziemlich gut. Ich mag rauchige Whiskys, solange sie für mich eher an Feuer, Glut und Lagerfeuer erinnern als an medizinische oder stark jodige Aromen. Gleichzeitig gefallen mir süße und würzige Fassreifungen. Das Franzbrötchenfass verbindet beide Richtungen auf eine eigenständige Weise.

Ich finde außerdem gut, dass Dram Way bei diesem Experiment nicht versucht, einen besonders braven und unkomplizierten Whisky daraus zu machen. Das ist eine kräftige Abfüllung, die geschmacklich präsent sein möchte. Man kann sich damit beschäftigen, man kann über die Fassidee diskutieren – oder man kann sich einfach einschenken und sie genießen.

Mir hat sie gut geschmeckt. Und wichtiger noch: Ich werde mich an sie erinnern. Das gelingt längst nicht jeder Abfüllung.

Die Just-Whisky-Messeabfüllung 2025

Meine zweite Flasche ist die Dram-Way-Messeabfüllung der Just Whisky Hamburg 2025. Diese Abfüllung stammt aus einem Refill-Mavrodaphne-Fass und wurde nur in einer sehr kleinen Menge für die Hamburger Whiskymesse abgefüllt.

Mavrodaphne ist ein griechischer Likörwein und als Fassvorbelegung im Whiskybereich deutlich seltener anzutreffen als beispielsweise Oloroso, Pedro Ximénez, Portwein oder verschiedene Rotweinfässer. Schon deshalb hat mich die Abfüllung neugierig gemacht.

Geschmacklich liegt eine solche Fassrichtung mit Frucht, Weinwürze und Süße grundsätzlich ziemlich nah an meinem persönlichen Beuteschema. Ich mag Whiskys, bei denen das Fass deutlich etwas beitragen darf, ohne dass am Ende nur noch Süße und Holz übrig bleiben.

Auch die Messeabfüllung hat mir gut gefallen. Sie ist für mich kein Whisky, den ich allein wegen der geringen Flaschenzahl interessant finde. Limitierung kann ein zusätzlicher Reiz sein, ersetzt aber niemals die Qualität im Glas. Hier passten für mich beides zusammen: eine besondere kleine Abfüllung und ein Whisky, den ich tatsächlich gerne trinke.

Hinzu kommt die persönliche Verbindung zur Just Whisky. Eine Messeabfüllung ist immer auch eine kleine Erinnerung an einen bestimmten Ort und ein bestimmtes Whiskywochenende. Sie erzählt dadurch eine andere Geschichte als eine reguläre Flasche, die jederzeit im Handel erhältlich ist.

Genau dafür braucht es unabhängige Abfüller

Die beiden Dram-Way-Abfüllungen zeigen für mich gut, weshalb unabhängige Abfüller eine solche Bereicherung für die Whiskywelt sind.

Eine große internationale Marke wird nur selten eine Kleinstauflage aus einem Franzbrötchenfass veröffentlichen. Sie wird vermutlich auch keine lediglich für eine regionale Messe gedachte Abfüllung aus einem Mavrodaphne-Fass mit wenigen Flaschen herausbringen. Für einen kleinen Abfüller sind solche Ideen hingegen möglich.

Natürlich ist ungewöhnlich nicht automatisch gut. Ein seltenes Fass macht noch keinen überzeugenden Whisky. Aber ohne Menschen, die solche Kombinationen ausprobieren, würde die Whiskywelt schnell vorhersehbar werden.

Bei Dram Way habe ich bisher den Eindruck, dass die Experimente nicht nur der Aufmerksamkeit dienen. Hinter den Flaschen stehen eine erkennbare Idee, ein eigenes Design und vor allem Whiskys, die auch geschmacklich bestehen müssen.

Mein persönliches Fazit

Dram Way ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass spannende Whiskyprojekte nicht nur in Schottland oder bei den großen deutschen Importeuren entstehen. Auch aus der näheren Umgebung können Abfüllungen kommen, die ungewöhnliche Fassideen, eine erkennbare persönliche Handschrift und eine hochwertige Gestaltung verbinden.

Mit dem Franzbrötchen Cask Finish und der Mavrodaphne-Messeabfüllung der Just Whisky 2025 habe ich bisher zwei Dram-Way-Whiskys probiert und beide haben mir gut geschmeckt. Der eine verbindet kräftigen Rauch mit einer norddeutschen, süß-würzigen Fassidee. Der andere steht für eine seltenere Weinreifung und die Erinnerung an eine Hamburger Whiskymesse.

Beide Flaschen machen für mich genau das, was eine gute unabhängige Abfüllung leisten sollte: Sie schmecken nicht nur, sondern wecken Neugier.

Ich werde Dram Way deshalb weiter verfolgenund vermutlich wird es nicht bei diesen beiden Flaschen bleiben.

Mehr zu Dram Way, den aktuellen Abfüllungen und den Geschichten dahinter gibt es direkt unter dramway.de.


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